Die Liebenden in der Untergrundbahn (2007)

von Christina Hanzen

Meine erste Regieassistenz bei einem Theaterstück. Ich hatte mich schon lange darauf gefreut, endlich mal nicht nur auf der Bühne zu stehen, sondern auch die ganze Inszenierung, Bühne, Kostüme und alles, was dazugehört, von vornherein mit zu planen und zu gestalten.
Doch schnell wurde klar, dass das nicht so leicht würde, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die enorme Anzahl von 36 Schauspielern, die bei “Eine Hochzeit und vier Todesfälle” mitgewirkt hatten, war tatsächlich noch zu toppen: Über 40 spielwütige Kids hatten sich um Brigitte Nienhaus, Katharina Stihler und mich versammelt - und davon 23 “Neue”.
Und woher für diese Masse ein Stück nehmen und nicht stehlen?
Das stellte uns doch vor ein Problem.
Irgendwann zauberte Brigitte das Stück “Die Liebenden in der Untergrundbahn” von Jean Tardieu aus dem Hut. Ideal, da große Rollen für unsere erfahrenen Leute und viele kleine für Neulinge. Dazu unendlich viel Spielraum, was die eigene Kreativität angeht.
Und ab gings an die Arbeit: Zunächst haben wir die Gruppe geteilt. Kathi und ich schnappten uns die angehenden Schauspieler und machten mit ihnen Theaterübungen, um sie an das Treiben auf der Bühne heranzuführen. Wer glaubt, da gibt es nicht viel Spielraum, der irrt. Vom Lautstärkeübungen über Pantominisches und verschiedene Bewegungsübungen bis hin zum Entwickeln kleinerer Sketche war alles dabei. Und vor allem hatten wir zusammen neben einigem Stress auch super viel Spaß! Natürlich alles rund ums Thema U-Bahn. Beim Schreiben der kurzen Szenen zeigten sich die Kids so kreativ, dass wir einige ihrer Kreationen ganz schnell ins Stück eingebaut haben.
Somit begann das Stück auch langsam ein Gesicht zu bekommen. Bald stand fest, welche Szenen des Originaltextes und welche selbstgeschriebenen Szenen wir für das Stück verwenden konnten.
Nachdem wir dann die Besetzung festgelegt hatten, ging es richtig los.
Nach den Winterferien konnten die Schauspieler ihre Szenen ohne die Textblätter in der Hand spielen und so bekam man langsam aber sicher einen Eindruck davon, wie das später mal auf der Bühne aussehen könnte.
Brigitte hatte das alles schon von Anfang an irgendwo im Hinterkopf, da bin ich mir sicher. Es war unglaublich faszinierend zu erleben, wie langsam aber sicher vor meinen Augen aus einem bunt zusammengemixten Haufen Kinder aus der Klasse 8 bis zur Jahrgangsstufe 11, mit viel bis gar keiner Schauspielerfahrung, ein beeindruckendes Stück entstand. Klar, in den Wochen vor der Premiere wurde alles langsam hektischer - aber auch professioneller. Der Arbeitsaufwand wurde auch noch einmal deutlich gesteigert.
Kati stieg nach den Winterferien aus der Arbeit aus, da sie in dem Jahr Abitur machte. Dafür stieg Ulrike Dahms als Praktikantin (für ihr Sozialpädagogikstudium) ein.
Somit kämpften wir zu Dritt für die und mit der Inszenierung, durch die Probenwochenenden, mit dem Geist, der Requisiten verschwinden lässt und mit der Idee, dass Stück doch mal im Zuschauerraum der Aula zu spielen und das Publikum auf die Bühne zu setzen.
Große Sorgen bereitete das Intro, in dem knapp 20 Akteure die Bühne entern, jeder für 5 Gänge durch unsere U-Bahn. Und jeder Gang bedeutet eine neue Rolle. Und jede Rolle bedeutet ein neues Kostüm und einen neuen Einsatz und und ….
Jeder, der das Klamottengewusel hinter der Bühne gesehen hat, der hätte nie für möglich gehalten, das daraus ein - für den Zuschauer - so geordnetes Intro wird.
Aber das Unmögliche klappte - auch weil die Kids hinterher den Bogen raus hatten und das wirklich unglaublich gut durchgezogen haben.
Auch die Übergänge zwischen den Szenen, in denen einzelne Leute in Minirollen über die Bühne gehen, auf jemanden warten, etc bereiteten Schwierigkeiten.
Während Brigitte vor der Bühne saß, sich alles anguckte und mit den Leuten AUF der Bühne ihre Szene durchging oder Kleinigkeiten abänderte, flatterte ich HINTER der Bühne wie ein wildes Huhn hin und her und suchte die Leute für die nächste Übergansszene zusammen, weswegen mir am Ende der Produktion der Titel der “Miss Übergang” verliehen wurde, welchen ich natürlich mit Stolz trage!
Doch für all den Stress, den man während des Jahres und vor allem während der Aufführung hat, entschädigt einen der Applaus vom Publikum. Aber noch hundertmal mehr der der eigenen Truppe, der Kids, die man manchmal doch angemault hat. aber die man doch alle in der Zeit lieb gewonnen hat. Denn der Applaus der eigenen Leute ist die beste und absolut schönste Bestätigung die man als Regieassistenz bekommen kann!
Ob ich hier noch weitererzählen könnte? Stundenlang…
Ob es anstrengend war? Oh ja!
Ob es Spaß gemacht hat? Aber sicher!
Ob ich dieses Jahr wieder als Regieassistenz dabei bin? Darauf könnt ihr wetten….

Christina Hanzen

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