Auch dieses Jahr gab es wieder eine Theateraufführung, die durch den 12er
Literaturkurs unterstützt wurde. Neben den 9 Leuten aus diesem Kurs wurden
aber natürlich noch reichlich andere Schauspieler für das Stück
„eingekauft“. So war die Liste schließlich bei der Premiere im Programmheftchen
29 Namen lang. Dabei sind allerdings nicht die vielen Heinzelmännchen inbegriffen,
welche das Stück durch etliche Arbeiten, mögen sie auch noch so simpel
klingen ( „Jan, wir brauchen 'ne Mauer“), überhaupt ermöglicht haben.
Aus meiner Sicht kann ich auch dieses Jahr wieder auf eine lustige und erfolgreiche
Vorbereitungszeit für dieses Werk zurückblicken. Denn meiner Meinung
nach ist das Beste am Theaterspielen immer noch die Vorbereitung, also die Proben.
Anfangs hat man noch den eigenen Einsatz, selbst mit Text in der Hand, verpasst,
und am Ende wird noch an Detail herumgefeilt wie z.B. dem optimalen Winkel eines
Tisches zum Bühnenrand ( „Dreh den Tisch bitte mal 20° linksrum...
nein das andere Links!“).
Den meisten Spaß hatten wir allerdings beim Probenwochenende und der nachfolgenden
Generalprobe im Kulturforum. Hierbei stellten sich die so genannten Massenszenen
( Szenen mit mehr als 4 Leuten ) als äußerst lustig heraus, da nichts
über eine gezielt eingestreute Grimasse geht, welche das ganze Geschehen
schon in eine Lachorgie verwandeln kann. Dass wir damit Frau Nienhaus manchmal,
also äußerst selten, zur Weißglut gebracht haben, tut uns leid,
war aber leider Gottes unumgänglich. Allerdings erwies sich das Kulturforum
als idealer Ort für eine solche Theateraufführung an einem solchen
Zeitpunkt. Mir persönlich wurde erst nach den ersten Minuten auf der Bühne
bewusst, dass das Kulturforum dem Ganzen ein gewisses Flair einhauchte, das
sowohl auf die Schauspieler einwirkte, wodurch es einfacher erschien sich in
die Rolle hineinzuversetzen, als auch dem Publikum eine schönere Atmosphäre
bescherte, wie ich später erfahren durfte. Besonders die gute Akustik in
Verbindung mit dem Harfenspiel wurde positiv erwähnt.
Wie hauptsächlich der männliche Teil unserer Gruppe feststellen musste,
war der Premierentermin für uns etwas „ungeschickt“ gewählt. Das Spiel
der Spiele in Sachen Fußball, also Deutschland gegen die Niederlande bei
der Fußball-EM, machte uns starke Konkurrenz. Auf meine Absage für
diese Premiere, aus diesem Grunde, reagierte die Regisseurin unverständlich
unangenehm und ich musste doch noch schauspielern. Zu meinem Glück hatte
mein Charakter früh Schluss (der Bösewicht flieht schon nach Bild
10), insofern konnte man sich zum Hausmeister setzen und von dort aus den anderen
Schauspielern, welche in regelmäßigen Abständen von fünf
Minuten reinschauten, Auskunft über den Spielstand geben. Allerdings gab
es dann am Ende Ärger, als man doch etwas laut geflucht hatte.
Die starke Konkurrenz aus dem Sport war aber nicht das einzige Übel, welches
das Projekt beutelte. Gleich zwei Damen und zwei Herren mussten ärztlich
behandelt werden. Zuerst hatte sich ein Schauspieler kurz vor dem Probenwochenende
am Knöchel verletzt, wodurch die Proben ein wenig erschwert wurden, was
aber bis zur Premiere wieder ausreichend verheilte. Pünktlich zur Generalprobe
mussten die zwei Damen unter einer schweren Erkältung leiden, wodurch eine
der beiden bei den ersten beiden Auftritten auf geplante Gesangsauftritte verzichten
musste. Beim dritten Auftritt sang Sarah dann ganz tapfer bis zum letzten Atemzug,
welches durchaus wörtlich zu verstehen ist. Nach zwei Schritten von der
Bühne legte sie sich erst mal auf den Boden und rang nach Luft. Zumindest
gab es aber den wohlverdienten Applaus. Die größte Herausforderung
stellte sich allerdings im spontanen Umplanen des kompletten Stückes. Nils
hatte sich am letzten Probentag vor der Generalprobe in einem rein wissenschaftlichen
Experiment mit den Stufen im Klosterhof das Knie verdreht und sich einige Bänder
gedehnt. Äußerst schmerzhaft, äußerst dummer Zeitpunkt.
So entschloss man sich, die Rolle des Pagen etwas auszudehnen. Somit musste
er nun fleißig der Hauptrolle die Krücken halten oder diverse Stühle
zurechtrücken. Irgendwie hat es dann doch noch geklappt, und das ganze
wurde ein Erfolg auf voller Linie. Ach ja, was ich ganz vergessen habe – den
Inhalt ( in einem Satz): Graf Claudio verliebt sich in Hero, die Tochter von
Leonata, der Witwe des Gouverneurs, also wird geheiratet, aber Don Juan, dem
Halbbruder von Don Pedro, dem Fürsten von Claudio und Benedikt, welcher
sich als eingefleischter Junggeselle verbale Duelle mit der ebenso Singleeingestellten
Beatrice, der Nichte der Hausherrin, also Leonata, liefert, versucht diese Heirat
durch eine listige Täuschung zu verhindern, was ihm zuerst auch gelingt,
doch diese List fliegt, durch den mutigen Einsatz komödiantisch eingesetzter
Wachen und Wachtmeister, auf, und es kommt doch noch zu der ersehnten Heirat,
welche sich als Doppelhochzeit entpuppt, da Beatrice und Benedikt, durch geschickt
eingesetzte verbale Täuschungen Dritter, doch noch zueinander gefunden
haben. Soweit so gut.
Conrad Mayntz