Soziales Lernen

In Gemeinschaft leben und lernen:
Wie gehen wir miteinander um?

Angesichts vielfacher alltäglicher „Verletzungen“, die wir Menschen uns im Zusammenleben auch in der Schule zufügen, möchten wir in Erinnerung rufen, was wir – Schüler/-innen, Eltern und Lehrer/-innen – gemeinsam als grundlegend im Schulprogramm beschrieben haben.

Mit anderen Menschen, deren Gesellschaft man sich nicht ausgesucht hat, respektvoll umzugehen, gemeinsam zu arbeiten und zusammenzuleben, müssen Kinder und Jugendliche lernen. Dass sie es lernen, ist uns wichtig, und deshalb üben wir respektvolles Verhalten ein und achten auf das Einhalten von Regeln des Zusammenlebens. Andererseits bieten wir natürlich Hilfen an, wenn doch einmal etwas „misslingt“.

Auszug aus dem Schulprogramm: Pädagogische Grundorientierung (Kapitel 1.2)

Leitbild 1: Erziehung in gemeinsamer Verantwortung

Wir verstehen Erziehung als den Grundstein von Bildung und streben eine enge Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule an, deren Ziel die Verständigung über gemeinsam akzeptierte Werte ist. Um jungen Menschen in der pluralen Welt mit ihrer Vielzahl von konkurrierenden Werten Orientierung und Halt zu ermöglichen, muss die Schule in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Eltern die moralische Urteilsfähigkeit und das moralische Handeln jedes Einzelnen entwickeln helfen, indem einerseits Erfahrungen verarbeitet und Denkfähigkeit geschult werden und andererseits die soziale Perspektive übernommen wird. Das heißt, die Schüler lernen, die individuellen Ansprüche mit denen anderer Menschen abzugleichen und Interessens gegensätze auszugleichen.

Das Wertegerüst liefert die Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen in Artikel 7:

  1. Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.
  2. Die Jugend soll erzogen werden im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und Friedensgesinnung.
  3. Für den Umgang miteinander bedeutet das, dass am Gymnasium Thomaeum die folgenden Haltungen vorgelebt und vermittelt werden:

    1. positives Selbstwertgefühl und gegenseitige Wertschätzung angesichts der Würde jedes einzelnen Menschen ausgedrückt durch
      • Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit,
      • Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer,
      • offene Kommunikation und Transparenz,
      • Toleranz;
    2. demokratisches Verhalten erfahrbar durch
      • Mitwirkung und Teilhabe,
      • Fairness, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit,
      • Wahrnehmung eigener Interessen und Kompromissfähigkeit,
      • Bereitschaft zum Perspektivenwechsel und interkulturell Akzeptanz;
    3. Bescheidenheit in Ehrfurcht vor der Schöpfung
      • verbunden mit der Übernahme von Verantwortung für sich selbst,
      • die Gemeinschaft und die Umwelt.

    Diese Haltungen werden für das Handeln der Schüler in der Schule nur dann bestimmend werden, wenn Lehrer und Eltern Vorbild sind.

    In der Schule erleben Schüler das Zusammenleben in einer größeren Gemeinschaft, das nur dann gelingt, wenn der Einzelne die Regeln einhält, die diese Gemeinschaft sich gegeben hat. Das Recht des Einzelnen auf freie persönliche Entfaltung findet seine Grenze am Anspruch aller anderen auf dasselbe Recht. Als Maxime für das Zusammenleben eignet sich „die goldene Regel“: Behandle jedermann so, wie du selbst an seiner Stelle wünschtest behandelt zu werden!

    Dieser Grundsatz schließt Diskriminierung jeder Art aus, ausdrücklich auch die Herabwürdigung aufgrund des Geschlechts. Deshalb sind wir dem Gender-Mainstreaming-Ansatz verpflichtet, der eine Strategie gegen geschlechtsbedingte Ungleichheiten darstellt und für die Gleichwertigkeit von Mädchen und Jungen steht. Das Gymnasium Thomaeum versteht sich als Lern- und Lebensort, an dem alle willkommen sind und sowohl die Lernenden als auch die Lehrenden in ihrer Individualität angenommen werden. Es ist ein Ort, an dem man lernen kann, Unterschiede und Wandel wahrzunehmen und zu akzeptieren und gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt zu finden und zu vertreten. Es ist ein Ort mit Gemeinsinn und Eigensinn.

    Wir sind der Überzeugung: Unterschiede sind gut. Sie machen Freude, öffnen das Blickfeld, ermöglichen verschiedenartige Erfahrungen und bereiten so auf ein Leben in Vielfalt vor. In der Schule liegt die Unterschiedlichkeit vor allem in den Akteuren: den Lehrern und Schülern. Worauf es in der Pädagogik an kommt, ist der Mensch, und den achten wir in seiner ganzen Besonderheit. Pädagogik als das Verhältnis zwischen den Generationen hat als entscheidende Ressource den erwachsenen Lehrer, der für seine Schüler da ist und der im Dialog mit ihnen und in der Anregung zum Denken „Welt“ entstehen lässt. Das kann nur auf eine sehr individuelle Art gelingen, die zu den Personen passt, die „echt“ ist. Aus diesem Grund gehören selbstverständlich auch verschiedene Unterrichtsstile zu unserer Schule.

    Allerdings gilt: Mit der zunehmenden Individualisierung von Lebensstilen nimmt auch in der Schulgemeinschaft die Notwendigkeit zu, für ein Mindestmaß an Kompetenzen zu sorgen, damit die Einzelnen teilhaben und alle friedlich miteinander umgehen können und damit Lernzeit effektiv genutzt werden k ann. Mit zwei Kategorien von Regeln setzen wir uns in Unterricht und Schule intensiv auseinander: den „Achtungsregeln“ (Respekt vor der Persönlichkeitssphäre, Rücksichtnahme und Schutz der Schwächeren) und den „Umgangsregeln“.

    Auf nicht akzeptables Verhalten wird konsequent reagiert. Gegenüber Körperverletzung, Mobbing und Vandalismus sowie anderen Formen des Fehlverhaltens, die die Würde und das Eigentum eines anderen verlet zen, halten wir Nachsicht für unangebracht. Als Erziehungsregel gilt uns in jedem Fall das Prinzip der Wiedergutmachung.

    Soziales Lernen

    Klassenlehrer, Klassenraum, Klassensprecher, Klassenbuchführer, Klassenfahrt, Klassenarbeit, Klassenclown, Klassenziel, Klassenkonferenz, Klassengemeinschaft – das sind einige Begriffe, die mit der Schulklasse als „soziales Zwangsgebilde“ verknüpft werden. Ulrich Abele formuliert:

    Zeitlich ist die „Klasse“ nach der Familie der wichtigste Lebensraum im Schulzeitalter, wo sich die Gleichaltrigen nicht nur zum Messen der intellektuellen Kräfte treffen und wo das Klima, das in ihr herrscht, die sozial und psychologisch bedeutsamsten Erfahrungen der Kindheit und Jugend bestimmt. In ihr werden Lebenschancen verteilt, kann sich Lebenszuversicht entwickeln, werden manchmal aber auch Erfahrungen erlitten, die lebenslang als Stachel im Fleisch wahrgenommen werden, wie dies in Literatur und Film Niederschlag findet.1


    1 Abele, Ulrich: „Die Schulklasse als Gruppe.“
    In: Bovet/Huwendiek, Leitfaden Schulpraxis: S. 388.

    Für die Steuerung und Interaktion im Unterricht ist primär der Lehrer verantwortlich. Regeln für angemessenes Verhalten und Sanktionen bei abweichendem Verhalten sind vorgegeben oder werden gemeinsam vereinbart. Außerhalb des Unterrichtsgeschehens ist dies anders. Hier entwickeln sich Regeln des Umgangs meist ohne direkten Einfluss der Lehrer. Welche Rolle jemand in der Klasse spielt oder spiel en muss, kann ihn psychologisch ein Leben lange begleiten, und deshalb ist der Lebensraum „Schulklasse“ für die Entwicklung der Schüler oft ebenso wichtig wie der Unterricht. Das Klassenklima wird durch vier Dimensionen bestimmt:

    • die Lehrer-Schüler-Beziehung,
    • die Beziehung der Schüler untereinander,
    • die Qualität des Unterrichts,
    • die Lernhaltungen der Schüler.

    Insgesamt wird durch ein positives Klassenklima das Selbstwertgefühl der Schüler gestärkt. Es tritt weniger Schulangst auf, und die Schüler sind zuversichtlicher, die Unterrichtsziele zu erreichen. Schulzufriedenheit, Lernfreude und Beteiligung am Unterricht steigen, während das Störverhalten abnimmt. Auch unabhängig von der Unterrichtsqualität hat das Klassenklima also große Bedeutung für die persönliche Entwicklung. Deshalb ist es wichtig, die Unterrichtssituation in den oben genannten vier Dimensionen zu evaluieren und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu treffen. Ein positives Klassenklima ist auch Voraussetzung für die Gestaltung einer neuen Lernkultur. Durch transparentes Lehrerverhalten, durch die Beteiligung der Schüler an Entscheidungen sowie durch Mitbestimmungskonzepte wie den Klassenrat und außerunterrichtliche Unternehmungen mit Schülervera ntwortung kann das Klassenklima positiv beeinflusst werden. Für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen wird Schule auch deshalb sehr bedeutsam, weil sie die Begegnung mit Gleichaltrigen mit verschiedenen biografischen und sozialen Hintergründen ermöglicht und erzwingt. Für die Persönlichkeitsentwicklung bietet die Gruppe die Möglichkeit,

    • sich mit anderen zu vergleichen,
    • sich einen Status in der Gruppe zu erwerben,
    • Normen mitzubestimmen und befolgen zu lernen,
    • Zugehörigkeit zu erleben,
    • sich auszutauschen und sich selbst darzustellen,
    • Beziehungen zu knüpfen und Bindungen einzugehen,
    • Auseinandersetzungen zu bestehen,
    • gemeinsam zu arbeiten und zu spielen,
    • Andersartigkeit zu erfahren,
    • sich zusammenzuschließen.2
    2 Haug, Arthur: „Schule als Sozialisationsinstanz“. In: Bovet/Huwendiek, a.a.O.: S. 530.

    Teil einer Gruppe zu sein ist ein anthropologisches Grundbedürfnis. Als soziales Wesen sucht der Mensch seinen Platz in der Gruppe und gewinnt sein Selbstbild durch die Interaktion mit den anderen. Die Klasse ist ein wichtiges Experimentierfeld für die Selbstentwürfe des Schülers. Sein Selbstwert wird mitbestimmt durch die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die die Gruppe gewährt. So wird jeder versuchen, die für seine Interessen geeignete Gruppe zu finden und zu formen. Da die Gesamtklasse für eine intensive Kommunikation meist zu groß ist, spaltet sich die Klasse in informelle Untergruppen oder Cliquen, die sich nicht zuletzt über Abgrenzung definieren.

    Sowohl in der selbst gewählten oder aufgezwungenen Rolle – Beispiele sind der Meinungsführer, der Außenseiter, der Sündenbock, der Streber, der Rebellische, der Stille, der Leistungsstarke – als auch in der Abgrenzung von Cliquen liegt erhebliches Konfliktpotential. In diesem spannungsreichen Mitei nander und zeitweise sicher auch Gegeneinander muss die Fähigkeit zum Handeln nach Regeln und Vereinbarungen und später nach Wissen und Gewissen entwickelt werden. Prägend ist dabei die Erfahrung der Sinnhaftigkeit sozialen Lebens.

    Wichtigstes Element der Konflikt- und Gewaltprävent ion ist ein positives Klassen- und Schulklima mit einem akzeptierten Regelwerk. Trainingsprogramme, in denen soziale Kompetenzen vermittelt werden, können ebenfalls positiv wirken und werden bei Bedarf in Anspruch genommen. Präventiv kann auch die Dokumentation des Arbeits- und Sozialverhaltens auf dem Zeugnis wirken, vor allem dann, wenn es vo rher eine intensive Auseinandersetzung mit den in den Blick genommenen Dimensionen gibt. Unser Konzept zur Stärkung der Sozialkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler enthält derzeit die folgenden Bestandteile:

    • „Kennenlerntage“ mit Aktionen zur Stärkung der Klassengemeinschaft zu Beginn des 5. Schuljahres;
    • Patinnen und Paten, die feste Ansprechpartner für die neuen Fünftklässler sind und in die Planung außerunterrichtlicher Aktivitäten einbezogen werden;
    • eine von Erlebnispädagogen und Klassenlehrern betreute Klassenfahrt am Ende der 5. oder zu Beginn der 6. Klasse, deren Ziel es ist, die Individualität der einzelnen Schülerin oder des einzelnen Schülers vor allem hinsichtlich derStärken bewusst zu machen und als Gewinn für die Gemeinschaft erfahrbar zu machen. Die Klassenlehrer/-innen bemühen sich im Anschluss, die Ergebnisse und Vorsätze dieser Fahrt immer wieder in Erinnerung zu rufen und darauf aufzubauen;
    • ein erlebnispädagogischer Projekttag etwa ein halbes Jahr später, der nochmals Team- lösungsstrategien und Gemeinschaftsgeist in den Fokus nimmt. Hieran sind die Klassen- und die Sportlehrer/-innen der jeweiligen Klassen beteiligt;
    • „Stark im Konflikt“, ein Theaterprojekt der Steimel-Menschner-Projektgruppe aus Düsseldorf für die Jahrgänge 7 und 8; ein Projekt, in dem der Umgang mit Gewalt in alltäglichen Situationen erlernt und geübt wird. Mit einbezogen sind in dieses Projekt die Klassenlehrer und die Eltern, denen ein Workshop zum Thema angeboten wird;
    • eine Streitschlichterausbildung: Acht- und Neuntklässler werden dazu ausgebildet, kleinere Streitereien von jüngeren Schülerinnen und Schülern zu schlichten; die Steitschlichter/-innen werden gleichzeitig als Patinnen und Paten eingesetzt;
    • ein einwöchiges Sozialpraktikum für den 9. Jahrgang, in dem die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen sozialen Einrichtungen (z.B. Seniorenheimen, Förderschulen, integrativen Einrichtungen) Erfahrungen im Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen sammeln; eine Präsentation schließt sich in der Schule oder außerschulisch (z.B. im Foyer des Krankenhauses) an;
    • das Antibullying-Konzept, durch das bei aufkeimenden oder bereits manifesten Mobbing-Fällen Schüler, Lehrer und Eltern in die Lösung tief sitzender Konflikte einbezogen werden.

    Mit Frau Anna Fröhling haben wir außerdem eine ausgebildete „Beratungslehrerin“ am Thomaeum. Beratungslehrer arbeiten mit den Lehrkräften der eigenen Schule (Klassenlehrer, Fachlehrer, Stufenkoordinatoren) kollegial zusammen, ergänzen deren Beratungstätigkeit und entlasten sie auf Anfrage, wenn dies sinnvoll erscheint. Darüber hinaus stehen sie natürlich auch Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern als Ansprechpartner zur Verfügung, insbesondere bei<>• persönlichen Problemen (mit Mitschülern, Freunden oder zu Hause), die eine erfolgreiche Mitarbeit in der Schule erschweren),

    • Lern- und Leistungsschwierigkeiten (neue Klasse, Leistungsdruck oder Ähnlichem),
    • Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel Schulangst, Kontaktarmut und Mobbing.

    In der Beratung geht es nicht darum, dem Ratsuchenden fertige Lösungswege zu präsentieren, sondern gemeinsam nach Möglichkeiten aus der Krise zu suchen, das Selbstbewusstsein der Ratsuchenden zu stärken und ihre schulische oder familiäre Situation zu festigen. Wenn es notwendig erscheint, übernimmt der Beratungslehrer die Vermittlung der Ratsuchenden an außerschulische Institutionen, wie den schul-psychologischen Dienst oder die verschiedenen Beratungsstellen.

    Beratung kann nur erfolgreich verlaufen, wenn die Ratsuchenden diese freiwillig in Anspruch nehmen. Voraussetzung für eine Lösung bestehender Probleme ist die aktive Mitarbeit der Ratsuchenden. Ein Teilnahmezwang würde dem zuwiderlaufen. Da in einem Beratungsgespräch sehr persönliche Themen zum Gesprächsinhalt werden können, unterliegen Beratungslehrer der Schweigepflicht. Um die Lösung eines Problemsanstreben zu können, kann von der Schülerin oder dem Schüler das Einverständnis eingeholt werden, bestimmte Informationen an Dritte weitergegeben zu dürfen.

    Beratung erfolgt hauptsächlich in Einzelgesprächen, für die jeweils genügend Zeit und Ruhe zur Verfügung stehen sollten. Deshalb sollten für solche Gespräche in der Regel Termine vereinbart werden. Außerdem bietet Frau Fröhling feste Sprechstunden an. Akute Krisensituationen stellen eine Ausnahme dar. In solchen Fällen wird auch kurzfristig ein Gespräch möglich gemacht.

    Auszug aus der Schulbroschüre zum „Tag der offenen Tür“

    In Gemeinschaft leben und lernen

    Um jungen Menschen in der vielgestaltigen Welt mit ihren konkurrierenden Werten Orientierung und Halt zu ermöglichen, muss die Schule in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Eltern die moralische Urteilsfähigkeit und das moralische Handeln jedes Einzelnen entwickeln helfen, indem einerseits Erfahrungen verarbeitet und Denkfähigkeit geschult werden und andererseits die soziale Perspektive übernommen wird. Das heißt, die Schüler lernen, die individuellen Ansprüche zu den Bedürfnissen anderer Menschen in Beziehung zu setzen und Interessensgegensätze auszugleichen.

    Es gibt wohl keine Schule, die ohne Konflikte und gelegentliche Aggressionen funktioniert. Aber wenn es gelingt, die Handlungskompetenz für Konfliktlösungsstrategien zu steigern, dann kann dies die Atmosphäre einer Schule entscheidend verändern. Hier liegt eine wesentliche Aufgabe unserer Klassenlehrer/innen, denn die Klasse ist die Basis erzieherischer Arbeit, deren Grundprinzip es ist, eine Beziehung herzustellen, die auf gegenseitiger Achtung beruht. Schüler und Lehrer geben sich Regeln des Zusammenlebens und entscheiden, ob zum Beispiel ein Klassenrat eingerichtet wird.

    Wie Klassenregeln formuliert werden können, zeigt das folgende Beispiel für eine 5. oder 6. Klasse:

    1. Wir wollen, dass sich alle Kinder in der Klasse wohlfühlen, und deshalb bin ich freundlich zu jedem.
    2. Ich bin hilfsbereit und lache niemanden aus.
    3. Ich rufe nicht in die Klasse, sondern ich melde mich, wenn ich etwas sagen möchte.
    4. Ich höre Mitschülern und Lehrern aufmerksam zu, lasse jeden ausreden und falle niemandem ins Wort.
    5. Ich nehme meinen Mitschülern nichts weg, und wenn ich mir etwas ausleihen möchte, dann frage ich vorher höflich.
    6. Ich halte Ordnung und Sauberkeit in der Klasse.
    7. Ich werfe nichts durch die Klasse und verhalte mich auch in den 5-Minuten-Pausen ruhig.
    8. Wenn es Streit gibt, versuche ich, den Streit mit Worten zu schlichten.
    9. Während des Unterrichts kaue, esse und trinke ich nicht.
    10. Ich bin für das, was ich tue, verantwortlich.

    In einem anderen Fall einigte man sich lediglich auf drei Grundregeln:

    1. Jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen.
    2. Jeder Lehrer hat das Recht, ungestört zu unterrichten.
    3. Jeder muss die Rechte der anderen immer respektieren.

    Die erste Klassenfahrt auf dem Thomaeum

    Nicht nur die erste Klassenfahrt dient dem Ziel, das friedliche „Miteinander-Umgehen“ zu lernen, sondern auch Programme wie „Stark im Konflikt“ und „Gemeinsam gegen Gewalt“, die sich in den Jahrgangsstufen 6 bis 8 anschließen. Mit dem Ziel, die „Streit-Kultur“ am Thomaeum zu verbessern, werden Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangstufe 8 zu Streitschlichtern ausgebildet, die vor allem den neuen Schülern als „Paten“ zur Verfügung stehen – auch um ihnen bei der Lösung ihrer Konflikte zu helfen.

    Darüber hinaus hat sich das Kollegium im Rahmen einer Fortbildung mit effektiven pädagogischen Verfahren zur Deeskalation und Aufarbeitung von Streit, Ausgrenzung und Mobbing auseinandergesetzt. Im Hinblick auf Mobbing hat sich das Thomaeum für die Anwendung der Anti-Bullying-Strategie entschieden, die – sobald Gewalt auftritt – auf frühzeitige Intervention setzt, gemäß dem Motto: „Wehret den Anfängen!“ Das Kollegium verpflichtet sich hinzusehen und einzuschreiten.

    Aber auch die Eltern spielen hier eine wichtige Rolle. Wir wünschen uns Eltern, die ein aktives Interesse an der Schule und dem, was ihr Kind dort erlebt, zeigen. Stellen sie Anzeichen von Kummer bei ihrem Kind fest, sollten sie sofort Kontakt mit der Schule aufnehmen.

    Ratschläge für Eltern von Kindern, die an der Schule und in der Schule leiden:

    • Achten Sie auf Anzeichen von Kummer bei Ihrem Kind!
    • Zeigen Sie aktives Interesse an der Schule und dem, was Ihr Kind dort erlebt!
    • Benachrichtigen Sie sofort die Schule!
    • Ermutigen Sie Ihr Kind, nicht mit gleicher Münze heimzuzahlen!
    • Seien Sie ausdauernd und hartnäckig und bestehen Sie darauf, dass etwas eschieht!

    Neben Frau Fröhling sind Frau Bonzelet und Frau Burgemeister besonders mit dem Bereich des „Sozialen Lernens“ befasst und stehen als Ansprechpartnerinnen ebenso bereitwillig zur Verfügung wie die beiden Verbindungslehrer der Schülervertretung, Frau Holz und Herr Deeg.

    Selbstverständlich können Schüler/-innen und Eltern jede Lehrerin oder jeden Lehrer der Schule ins Vertrauen ziehen.

    Kempen, im Mai 2013: Km

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