Begabtenförderung

Begabtenförderung

Als Maßnahme zur individuellen Förderung bieten wir allen Schülerinnen und Schülern in der Erprobungsstufe die Wahl eines Nei­gungsfaches an (vergleichbar dem Wahlpflichtunterricht in der Mittelstufe). Zusätzlich zu unseren schon länger bestehenden naturwissenschaftlichen und musikalischen Profilen setzen wir ab dem kommenden Schuljahr Schwerpunkte im Lesen von Kinder- und Jugendliteratur, im künstlerisch-handwerklichen Bereich und im Rahmen unseres Profils als Europaschule.

Im Sinne des Fördergedankens sollten die Kurse in der Regel nicht mehr als 25 Schüler/innen zählen. Andererseits muss eine Mindestteilnehmerzahl von etwa 15 erreicht werden, damit ein Kurs eingerichtet werden kann (Ausnahme: Streicher-Ensemble und Gitarren-AG). Das Lernen in diesen „Neigungskursen“ ist auf eigenes Erfahren, Entdecken und Erleben gerichtet und beinhaltet immer auch die eigene Präsentation des Erarbeiteten, sei es in Form einer Ausstellung, eines Konzer­tes, Wett­bewerbsbeitrags oder Vortrags. Die erbrachten Leistungen werden auf dem Zeugnis bescheinigt, sind aber nicht versetzungswirksam.

Die Wahl von Neigungskursen ist nicht verbunden mit einem schriftlichen Diagnoseverfahren, sondern erfolgt nach einem anlassbezogenen Gespräch mit der Schulleitung beziehungsweise den Erprobungsstufenkoordinatoren im Rahmen der Anmeldung.

Bei der Anmeldung (beziehungsweise zu Beginn des Schuljahres) entscheidet sich das Kind mit seinen Eltern, ob es ein solches Angebot wählt oder nicht.Da der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule mit vielfältigen Veränderungen und Anforderungen verbunden ist, ist es selbstverständlich auch völlig in Ordnung, wenn man auf die­ses zusätzliche Angebot verzichtet. Für die Bläserklasse ver­pflichtet man sich für zwei Jahre; bei den anderen Kursen kann nach einem Jahr neu entschieden werden. Die Wahl oder Nicht-Wahl eines Neigungskurses hat keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Klasse.

Belegt das Kind einen „Angleichungskurs“ (in Deutsch in den Klassen 5/6 oder in Englisch in der Klasse 6), so ist die Teilnahme an einem „Neigungskurs“ in der Regel nicht möglich.

Für das Schuljahr 2016/17 bieten wir die folgenden „Neigungskurse“ an

Wir entdecken die
NATUR
(Biologie/Chemie/Physik)
Wir machen
MUSIK
Wir erschaffen
KUNST
  • Papier, Flugkörper
  • Spurensuche
  • Wetter
  • Im Reich der Sinne
  • In der Küche
  • Salz
  • Gesundheit
  • Farben
  • Bläserkreis
  • Kinderchor
  • Geige,
    Cello,
    Bass
  • Gitarre
Plastisches Gestalten
(kunsthandwerkliches Arbeiten, zum Beispiel Töpfern)

Alle Schüler, die einen Neigungskurs wählen, erhalten in diesem eine Stunde zusätzlichen Unterricht in der Woche; für den Bläserkreis kommt eine Stunde Orchesterprobe hinzu.

Damit diese Förderung Nachhaltigkeit erfährt, bieten wir nach Ablauf der Neigungskurse den Schülern vielfältige Möglichkeiten an, ihre Grundbildung wirkungsvoll zu vertiefen:

Naturwissenschaftlicher
Neigungskurs (5/6)
Musische Neigungskurse (5/6)
Musik Literatur Kunst

  • Naturwissenschaftlicher Schwerpunkt im Wahl-pflichtbereich:
    Umwelttechnik
    Informatik

  • Naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften:
    Science Club
    Solar-AG

  • Wettbewerbe:
    Jugend forscht – Schüler experimentieren
    Känguru (Mathematik)
    biologisch
    Chemie entdecken
    freestyle physics
    „Olympiaden“ (Mathematik, Biologie, Physik, Chemie)

  • Oberstufe:
    LK Mathematik
    LK Biologie
    LK Physik
    LK Chemie
    LK Informatik

  • Orchester

  • Wettbewerbe: Jugend musiziert

  • Oberstufe:
    Chor
    Orchester

  • Oberstufe:
    LK Musik

  • Theater-AG

  • Lesewerkstatt

  • Wettbewerbe:
    Schreiben

  • Oberstufe:
    Literaturkurs
    LK Deutsch

  • Medienkunde

  • Oberstufe:
    LK Kunst

Alle Maßnahmen der äußeren Differenzierung („weiterer Unterricht“ und Arbeitsgemeinschaften) werden auf dem Zeugnis bescheinigt. Außerdem werden diese Maßnahmen in den Förder- und AG-Passeingetragen, der Schülern, Eltern und Lehrern einen Überblick über die Aktivitäten von Klasse 5 bis 9 bietet.

Schwerpunkte der Neigungs- und Begabungsförderung im Detail:

  1. Der naturwissenschaftliche Neigungskurs:

    Besonders lernfreudige und an naturwissenschaftlichen Fragestellungen interessierte Kinder haben die Möglichkeit, in den Klassen 5 und 6 das naturwissenschaftliche Profil zu wählen.

    Die Naturwissenschaften prägen die heutige Gesellschaft durch den raschen und enormen Wissenszuwachs, aber auch durch ihren besonderen Umgang mit Wissen. Sie zeichnen sich durch systematische und rationale Verfahren aus, mit denen Wissen gewonnen, geprüft, mitgeteilt und diskutiert wird. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Anwendungen schaffen die Grundlage für Innovationen, die alle Lebensbereiche berühren. Sie stellen eine unverzichtbare Wissensbasis bereit für Entscheidungen über die Gestaltung unserer Lebensbedingungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung unserer Welt. Naturwissenschaftliche Grundbildung ist somit eine wesentliche Voraussetzung für die aktive Teilhabe an unserer von Naturwissenschaften und Technik geprägten Kultur und für eine lebenslange Auseinandersetzung mit einer sich verändernden Welt.

    Das Interesse am naturwissenschaftlichen Experimentieren, Arbeiten und Denken kann also kaum früh genug geweckt werden. Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto größer ist oft die Begeisterung. Im Mittelpunkt dieses Faches stehen faszinierende Schülerexperimente und fächerübergreifende Projekte, die das Beobachten von Naturphänomenen, das Heranführen an naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen und selbstständiges Lernen ermöglichen. Ziele sind:

    • das Wecken von Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen
    • das Staunenlernen über Naturphänomene
    • die Freude am Experimentieren
    • die Schulung genauen Beobachtens und Protokollierens
    • genaues, konzentriertes Arbeiten nach Anleitung
    • die Förderung von experimentellem/handwerklichem Geschick
    • die Förderung des selbstständigen, entdeckenden Lernens
    • das Üben von sach- und adressatengerechtem Präsentieren von Arbeitsergebnissen
    • die Förderung des kooperativen Lernens in einer Arbeitsgruppe

    Interessierte Schülerinnen und Schüler können das naturwissenschaftliche Profil im Bereich des regulären Unterrichtes fortzusetzen: Im Wahlpflichtbereich der Klassen 8 und 9 werden Informatik und Umwelttechnik angeboten; in der Sekundarstufe II sind alle naturwissenschaftlichen Fächer als Grund- und Leistungskurse wählbar.

  2. Der Bläserkreis:

    Musische Erziehung ist ein breit geförderter Bereich am Thomaeum, der über den Unterricht hinaus in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, Projekten und Aufführungen in der Schulöffentlichkeit sichtbar wird. Musische Erziehung fördert sowohl die Persönlichkeitsentfaltung als auch die Übernahme von Verantwortung und Kooperationsbereitschaft. Vor diesem Hintergrund und in dem Bestreben, den Eingangsklassen einen weiteren Bereich der Förderung zu erschließen, bieten wir seit dem Schuljahr 2008/09 in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule einen auf zwei Jahre konzipierten Bläserkurs an.

    Anschließend haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, im Orchester, in einer Big Band oder in verschiedenen Ensembles der Kreismusikschule mitzuwirken.

  3. Der Lesekurs (als zusätzliche Unterrichtsstunde im Fach Deutsch)

    Der Neigungskurs Lesen ist zwar inhaltlich angebunden an das Fach Deutsch, soll den Schülern darüber hinaus jedoch weitere Kompetenzen und Erfahrungen ermöglichen. Sie sollen anhand selbst gewählter Lektüre erfahren, dass Literatur nicht realitätsfremde Welten darstellt, sondern eine Spiegelung ihrer eigenen Lebenswelt ist, die ihnen auch Identifikationsmöglichkeiten bietet. Neben der Förderung der grundsätzlichen Motivation zum Lesen, die für die Wahl dieses Kurses notwendig ist, können die Schüler durch die Beschäftigung mit Kinder- und Jugendbüchern in diesem Kurs nicht nur ihre Lese- und Verstehenskompetenz festigen, die in allen Bereichen ihres Lebens immer eine Basiskompetenz darstellen wird, sondern sich auch kreativ mit Texten auseinandersetzen (Rezensionen, kreative Präsentationsformen wie: Plakate, Spielszenen, Quiz). Über die Beschäftigung mit mehreren Werken eines Autors findet auch eine eingehende Beschäftigung mit dessen Biografie statt.

    Aus dieser Beschäftigung erwächst die Auswahl eines bestimmten thematischen Aspektes, zu dem die Schüler weitere Buchtitel sammeln, lesen und wiederum präsentieren und so auch in der Informationsbeschaffung geübt werden. Zum Buch „Wie Spucke im Sand“ von Klaus Kordon kann der Kurs zum Beispiel weitere interessante Titel zu Themen wie „Indien“ oder „Die Rolle von Mädchen in anderen Kulturen“ aufspüren.

    Die Ergebnisse werden (in einer Abschlussveranstaltung) nach außen hin präsentiert, zum Beispiel durch regelmäßiges Bestücken von Schaukästen oder das Herstellen einer Lesewand im PZ, ein Literaturcafé am Tag der offenen Tür, eine Vorlesepause für Gleichaltrige oder eine Lesung für die Eltern.

  4. Lernen in Arbeitsgemeinschaften (mit dem Schwerpunktbeispiel: Theater)

    Einen zweiten Schwerpunkt der Neigungs- und Begabungsförderung stellt das erweiterte Lernen in Arbeitsgemeinschaften dar. Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften in verschiedenen Bereichen (Sprachen, Theater, Musik, Gesellschafts- und Naturwissenschaften, Kultur und Sport) bieten die Möglichkeit, individuellen Interessen nachzugehen und besondere Begabungen zu entwickeln. Einzelne Arbeitsgemeinschaften werden von Schülern und Eltern geleitet. Über die Bescheinigung auf dem Zeugnis hinaus werden alle Maßnahmen der äußeren Differenzierung in den Förder- und AG-Pass aufgenommen und mit einer qualifizierenden Aussage bewertet.

    Eine herausragende Bedeutung kommt dabei dem Theaterspielen an unserer Schule zu. Frau Nienhaus, die für diesen Bereich die Verantwortung trägt, fasst die Bedeutung dieses Angebotes zusammen: Aus den ersten zaghaften Versuchen (mit sechs Schülerinnen und Schülern der Klassen 9 und 10 im Sommer 1996) entwickelte sich eine eigene Theaterreihe mit mindestens drei Produktionen pro Schuljahr (mit bis zu 80 Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 8 bis Q2/13). Dazu gehört immer ein Theaterprojekt der eigentlichen Theater-AG. Daran können alle Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse teilnehmen. Seit Jahren muss diese Gruppe geteilt werden, da sich mittlerweile zwischen 50 und 60 Teilnehmer/innen dazu anmelden.

    Natürlich sind die Aufführungen wichtig. Man braucht ein Ziel, auf das man hinarbeitet, und ein Ergebnis, mit dem man sich identifizieren kann – aber der kreative Prozess ist mindestens genauso bedeutsam. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit Theater und Literatur beschäftigen, sich ausdauernd mit allerlei Schwierigkeiten auseinandersetzen und sie zu lösen versuchen. Im Laufe eines Jahres passiert dabei eine Menge, sowohl in der Entwicklung der darstellerischen Leistung als auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Und deshalb ist es auch wichtig, schon in der Mittelstufe ein solches Angebot zu machen, das allen, die es wollen, das Theaterspielen ermöglicht. Theaterspielen kann zur Persönlichkeitsentwicklung erheblich beitragen: in eine andere Rolle schlüpfen, Verhaltensweisen ausprobieren, die im Alltag unmöglich sind, oder Gefühle ausdrücken, an die man sich im wirklichen Leben kaum heranwagt – es ist spannend mitzuerleben, wie sich die Einzelnen im Laufe eines Jahres in ihrer Rolle und auch insgesamt entwickeln. Da gibt es immer wieder Schülerinnen und Schüler, deren Lehrer sie nicht wieder erkennen, wenn sie sie auf der Bühne erleben. Und oft, wenn auch nicht immer, führt diese Erfahrung zu gesteigertem Selbstbewusstsein, größerer Sicherheit, was sich durchaus auch auf den Unterricht auswirken kann. Und Veränderung lässt sich auch in der Gruppe feststellen, in der Zusammenhalt entsteht, sich Toleranz gegenüber anderen entwickelt.

    Um diesen Prozess geht es mir: zulassen, dass etwas entsteht; sich selbst ausdrücken; gemeinsam mit anderen etwas gestalten; Literatur lebendig erleben – mit viel Freude und Spaß, aber auch mit Ausdauer und harter Arbeit.

  5. Das „Drehtürmodell“ und Wettbewerbsprojekte

    Eine Möglichkeit des erweiterten Lernens bietet das so genannte Dreh­türmodell. Dieses bedeutet, dass begabte Schüle­rinnen und Schüler in einzelnen Fächern stun­den­weise vom Klassenunterricht entbunden sind und in dieser Zeit ein Thema ihrer Wahl vertieft bearbei­ten können. Dies kann ein Referat, aber auch ein Wett bewerbs­beitrag oder eine besondere Leistung inner­halb einer Arbeitsgemeinschaft sein. Die betref­fenden Schüler werden dabei durch einen Lehrer ihrer Wahl (Mentor) begleitet und beraten. So soll vertieftes individuelles und zuneh­mend selbstständi­ges Lernen gefördert werden.

    Die Schüler führen ein Lernjournal, in dem sie das Thema, die geplanten Ergebnisse und die Planung des zeit­lichen Ablaufs eintragen müssen. Außerdem müssen darin die in der Stammklasse versäumten Unterrichtsstun­den und die währenddessen geleistete Eigenarbeit festgehalten werden. Alle vierzehn Tage muss in einem Zwi­schenbericht dargelegt werden, was in der Zeit erledigt wurde und was für die Folge­zeit geplant ist. Das Tage­buch wird regelmäßig von dem betreuenden Lehrer kontrolliert. Die Ergebnisse der Arbeit werden entweder im Unterricht der eigenen Klasse oder in einem anderen Kreis präsen­tiert, mit dem Mentor besprochen und von ihm beur­teilt.

    Besonders begabte und belastbare Schülerinnen und Schüler können ab der 6. Klasse auch zwei Fremdsprachen gleichzeitig erlernen. Statt vier Unterrichtsstunden in einer 2. Fremdsprache (Französisch oder Latein) erhalten diese Kinder dann jeweils zwei Wochenstunden in beiden Fremdsprachen (Französisch und Latein). Den in den beiden anderen Stunden versäumten Stoff müssen diese Schüler dann selbstständig erarbeiten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in einem Fach (zum Beispiel in Mathematik) am Unterricht in einer höheren Klasse teilzu­nehmen.

    Über die von Lehrern betreute Teilnahme an Wettbewerben ist eine Form der individuellen Förderung, die das selbstständige und kooperative Lernen in besonderem Maße fördert. Aus den Arbeitsgemeinschaften oder aus eigenem Antrieb (nach Information und Motivation durch die Fachlehrer/innen und Herrn Lange als Koordinator) entwickeln sich von der Erprobungsstufe bis in die Oberstufe hinein Projektarbeiten, die zu Wettbewerbsteilnahmen führen. Im Aufgabenfeld I sind vor allem die Fremdsprachen- und Schreibwettbewerbe zu nennen, Wettbewerbe zur politischen Bildung und der philosophische Essay-Wettbewerb gehören in das Aufgabenfeld II, und aus dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld stammen die „Olympiaden“ (Mathematik, Biologie, Physik, Chemie), der Känguru-Wettbewerb, „bio-logisch“, „freestyle physics“ und „Chemie entdecken“.

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