Geschichte

Über 350 Jahre Thomaeum

Im Jahre 2009 feierte das Gymnasium Thomaeum sein 350jähriges Bestehen. Die Geschichte einer so altehrwürdigen Schule in diesem Rahmen zu erzählen, ist nur möglich, wenn man auf umfangreiche Darstellungen verweisen kann: Prof. Dr. Gerhard Terwelp, schrieb die Geschichte dieser Schule bis zum Ende des 18. Jh.; Prof. Josef Brungs erweiterte sie bis Ende der französischen Besetzung; OStR Dr. Droege hat in der Festschrift zum 300jährigen Bestehen die Entwicklung der Schule im 19. Jh. bis zum Ende des II. Weltkrieges in einem sehr profunden Aufsatz dargelegt; der damalige Direktor Dr. Fritz Loschelder hat die neueste Geschichte bis zum Jahre 1959 fortgeführt. Stadtarchivar Jacob Hermes hat im Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld ein Lebensbild des Schulleiters in der 1. Hälfte des 19. Jh., Josef Bister, entworfen.
Im Rahmen der Feier zum 350jährigen Bestehen wurde von unserem ehemaligen Kollegen Walter Damm ebenfalls eine Darstellung der Geschichte des Thomaeum erstellt.

Mosaik

Burg und Lehrerseminar

Im Treppenhaus des 1974/77 fertiggestellten Erweiterungsbaus sind in einem Mosaik die Gebäude skizziert, in denen das Thomaeum im Laufe seiner langen Geschichte untergebracht war:
Die dreigeschossige Burse, in der das Gymnasium von 1669 bis 1802 sein Domizil hatte (133 Jahre).
Das alte Franziskanerkloster, das die Schule von 1803 bis 1863 beherbergte (60 Jahre).
Die Burg, die zur Aufnahme des Thomaeum renoviert wurde; es verblieb dort bis 1925 (62 Jahre).
Das 1909/10 erbaute Lehrerseminar, in das die Schule 1925 einzog. Dies Gebäude nutzt sie noch heute mit Unterrichtsräumen, der schönen Aula und Musikräumen.

1953 kam ein erster Erweiterungsbau hinzu.
1974/77 erfolgte ein Erweiterungsbau zur Unterbringung eines dreizügigen Gymnasiums mit Fachräumen für die Naturwissenschaften, Kunst- und Werkräumen, allgemeinen Unterrichtsräumen, einem vor allem schulischen Interessen dienenden Pädagogischem Zentrum und Räumen für die sich mehr verzweigende Verwaltung.

Mit den ersten vier Gebäuden sind auch Entwicklungsepochen der gymnasialen Geschichte verbunden:
In den letzten Jahren des 30jährigen Krieges hatten sieben Jahre lang Hessen sie Stadt besetzt und erpresst. Die Stadt war bettelarm geworden, hatte mehrmals die Hälfte an Häusern und Bewohnern verloren. Aber zehn Jahre nach Abzug der Hessen hatte sich das äußere Leben soweit normalisiert, dass verantwortliche Männer darangingen, auch etwas für eine geistige und moralische Erneuerung zu tun. Am 7. Juni 1659 hatte der Stadtsekretär und spätere Schultheiß Ägidius Wilmius den Bürgermeistern und dem Rat der Stadt einen Plan zur Gründung eines Gymnasiums vorgelegt. Es sollte den jungen Leuten, die zum Teil aus einer schon vorhandenen Lateinschule kamen, eine gediegene Schulbildung nach dem Ideal christlicher Humanitas vermitteln, um später in Kirche und Verwaltung hohe Ämter bekleiden zu können. Dieser Plan fand Anklang, aber erst als der Vikar Heinrich Reck, Sohn des ehemaligen Kempener Ratsbürgermeisters Egbert Reck, 1662 die Angelegenheit ernstlich in die Hand nahm, nahm die Schule wirkliche Gestalt an.

Eine Urkunde

Ausschnitt aus einer alten Urkunde von 1776

Ein Gymnasium bestand damals - nach dem Vorbild der berühmten Jesuitenschulen - aus fünf Klassen: der Infima (der Untersten), der Grammatica (oder Secunda, der Zweiten), der Syntaxis, der Poetica und der Rhetorica. Reck fand nur die ersten drei Klassen vor. Im Herbst 1663 gelang es ihm, die vierte Klasse hinzuzufügen, später auch die fünfte. Die Professoren musste er ausfindig machen und anstellen. Sie waren meist erst 20 bis 22 Jahre alt und standen zunächst noch vor der Priesterweihe; denn alle Professoren bis 1789 waren Geistliche. Wenn auch das Hauptgewicht des Unterrichts im Erlernen der lateinischen Sprache lag, so dass die Schüler der letzten Klasse, deswegen ja auch Rhetorica genannt, die Abfassung und den Vortrag gebundener und ungebundener Reden in dieser Sprache erlernten, so wurde, wie die Prüfungsgegenstände zeigen, auch Unterricht in Religion, Deutsch, Welt- und Kirchengeschichte, Rechnen, Geometrie und Geographie erteilt. Die Schule stand in hohem Ansehen. Aus dem ganzen niederrheinischen Raum, ja aus den Niederlanden, kamen die Schüler.

Trotzdem hat die Schule die Gesamtschülerzahl von 100 nie erreicht. Infolge der Industrialisierung und Kommerzialisierung begann die größere Nachbarstadt Krefeld Kempen den Rang abzulaufen. Die Finanzen des Gymnasiums wurden so schlecht, dass in den ersten 80iger Jahren den Lehrern nicht einmal das Gehalt ausgezahlt werden konnte. So beschloss der Stadtrat 1886, das Thomaeum ganz dem Staat zu übereignen. Und bis zum 1. Januar 1974 ist das Thomaeum eines der wenigen Staatlichen Gymnasien gewesen, von gleicher Bedeutung wie Landfermann in Duisburg, Burg in Essen, Wilhelm Dörpfeld in Wuppertal.

Am 1. März 1930 wurde auf Anordnung des Provinzial-Schulekollegiums der OStD Dr. Bast neuer Schulleiter. Sein strenges Regiment und seine mutige Gegnerschaft gegen die nationalsozialistische Herrschaft führten das Thomaeum sicher durch die turbulenten Zeiten. Im Jahre 1937 wurde es zwar nicht unter die Zahl der als Gymnasien weiterbestehenden höheren Schulen eingereiht, sondern in eine Oberschule für Jungen umgewandelt. Dr. Bast konnte aber eine von der NS-Kreisleitung Viersen-Krefeld vorgesehene Bezeichnung "Hans-Schwenn-Oberschule" abwehren und für seine Schule den offiziellen Namen "Thomaeum, Oberschule für Jungen in Kempen/Niederrhein" durchsetzen.

Text: OStD Martin Reiß, Geschichte des Gymnasiums Thomaeum, Kempen. In: 325 Jahre Thomaeum Kempen, 1659 - 1984. Für diese Veröffentlichung bearbeitet von OStR Uwe Cordt

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